Idee ist Trumpf, aber …

Das Schicksal von Ideen hat oft einen ähnlichen Verlauf: Zuerst kommt ein grandioser Gedanke, dann folgt jahrelanges Tüfteln, es wird ein kleines Vermögen in die Umsetzung und Realisierung investiert, manchmal wird gar ein Patent angemeldet und dann kommt der entscheidende Moment, in dem ein Investor für die Einführung in den Markt bzw. die Serienproduktion gesucht wird. Genau an diesem wichtigen Punkt wird nachlässig vorgegangen. Drastisch ausgedrückt: Es wird gehudelt und geschlampt.

Nach einem sorgfältigen Aufbau des Projektes und überlegter Planung hat die Massenproduktion und die Etablierung am Markt ganz rasch zu erfolgen. Es darf keine Zeit mehr verloren gehen, denn schließlich sollen sich die investierten Gelder schnell amortisieren. Dabei werden die Grundlagen der Kommunikation außer Acht gelassen. Aber wer soll von dem sensationellen Produkt erfahren, wenn es schlecht oder nur bedingt kommuniziert wird? Der Markt wartet nicht auf eine gute Idee. Neuerungen müssen den Markt erobern.

Dieser Aspekt ist ein klassisches Problem bei Tüftlern und Technikern. In Ihrem Fachbereich, in ihrem Handwerk oder bei ihrer Passion sind sie Profis durch und durch. Doch wenn es darum geht mit einer „schönen“ – emotionalen – Geschichte ihr Produkt einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen kommt diese Reaktion, die kein Einzelfall ist: „Wer braucht das schon, die Idee ist schon genial genug und warum sollte man das Projekt sowie das Team präsentieren?“ Genau das ist aber für Geldgeber genauso interessant wie wirtschaftliche Berechnungen. Schließlich wollen die Investoren neben den Zahlen auch wissen, wer hinter der Idee steckt, was sie motiviert hat und was für eine Philosophie verfolgt wird. Für mögliche Partner haben diese Punkte einen hohen Stellenwert, werden aber von Entwicklern und Ingenieuren fatal unterschätzt. Wie auch? In einer Welt von Zahlen, Technik und Maßstäben im 1000stel Bereich haben die sogenannten Softskills keinen Platz. Nur, warum stecken Autokonzerne, die nichts weiter als fahrende Wärmekraftmaschinen verkaufen, Millionen an Geldern in emotionale Werbung?

Es gibt sehr viele Menschen auf der Welt, die gute Ideen haben, doch nur wenige setzen diese konsequent um! Deshalb gilt die Faustregel: Ein erstklassiges Team mit einer zweitklassigen Idee ist mehr wert als der umgekehrte Fall. Wer es schafft über Emotionen den Markt zu begeistern hat gewonnen. Der Weg dorthin ist keine Raketenwissenschaft. Er ist einfach. Alles was für die Aktivierung der Softskills benötigt wird, sind etwas Zeit, Energie (Leidenschaft) und natürlich finanzielle Mittel. Kommunikation hat die gleichen Voraussetzungen wie die Umsetzung der Idee. In Anbetracht der Kosten, die für die Realisierung des Projektes inkl. eines Patentverfahrens aufgewendet werden, sollte die Kommunikation nicht an 5 bis 10 % des Gesamtbudgets scheitern. Diese können von vornherein bei der Projektplanung gleich und realistisch eingeplant werden. Ohne Kommunikation ist das beste Produkt oder die herausragendste Dienstleistung nichts wert – Dinge, die im Dunklen stehen sieht man nicht! Außerdem gilt: Der erste Eindruck ist bei einer grandiosen Idee genauso entscheidend. Ein Blick auf das alltägliche Verhalten beim Kauf z.B. eines Apfels verdeutlicht das. Es werden nur die schönsten Äpfel gekauft. Obst mit Stoßstellen oder optischen Macken, die nichts mit dem Geschmack an sich zu tun haben, bleiben unbeachtet. Deshalb ist die Kommunikation einer Idee ebenso wichtig, wie der geniale Einfall oder das fertige Produkt an sich.

Sicherlich ist das Argument verständlich: „Wir sind Entwickler und keine Marketing-Menschen“. Das ist gar nicht erforderlich. Jede seriöse Kommunikationsagentur bietet zunächst ein kostenloses Erstgespräch an, auf dessen Basis wird ein Angebot erstellt, so wie es auch im Handwerk üblicherweise geschieht. Ratsam ist es, sich weitere Angebote einzuholen. Es sollten aber nicht mehr als drei sein, denn „wer die Wahl hat, hat die Qual“. Neben dem preislichen Vergleich, kann dabei auch abgeschätzt werden, mit wem man gern zusammenarbeiten möchte. Schließlich soll einen Partner fürs Marketing gefunden werden, der sich vertrauensvoll mit der Idee und der mühevollen Entwicklung auseinandersetzt. Auch hier geht es darum die entscheidende Idee für die Kommunikation zu finden, eine sinnvolle Strategie zu entwickeln und nicht nach dem Motto zu verfahren: Die größte Kampagne gewinnt. Kommunikation ist eine Investition wie in Material oder Maschinen, die sich auszahlen soll, damit Idee Trumpf wird.

Photo by Jilbert Ebrahimi